Erste Überraschung des Tages. Heute ist indischer Nationalfeiertag und überall sind Fahnen und bunte Luftballons in den Landesfahnen zu sehen. Schon früh morgens marschieren kleinere und größere Gruppen zu irgendwelchen Sammelpunkten für entsprechende Paraden. Mal sehen, was wir noch so alles zu sehen bekommen werden.
Doch erst einmal ein kurzer geschichtlicher Überblick:
BADAMI wurde in der Mitte des 6. Jahrhunderts als neue (zweite) Hauptstadt von mehreren Herrschern der sog. Chalukya-Dynastie gegründet und beherrschte für die nächsten ca 200 Jahre das Hochland des Dekkan und weite Teile Südindiens.
Die hier aufgebaute (neue) Hauptstadt des Chalukyaden-Reiches mit ihren eindrucksvollen Tempelbauten gilt als richtungsweisend für die Architektur und Kunst des gesamten indischen Subkontinentes. Es werden hier sowohl Elemente der später sich im Norden durchsetzenden Spitztürme wie auch der im Süden dominierten Terrassenbauweise gefunden.
Pünktlich um 09:00h wurde ich von Kotresh, meinem lokalen Reiseleiter und Prasad am Hotel abgeholt. Zunächst ging es zu den nicht weit entfernten „Badami-Höhlen“. Hierbei handelt es sich um Tempelanlagen, die in einen riesigen Felsen hineingeschlagen wurden. Es sind also keine natürlichen Höhlen sondern von Menschen hergestellte Aushöhlungen des Berges!
Die vier ‚Badami-Höhlen‘ mit ihren eindrucksvollen Statuen sind einzigartig in Südindien. Sie sind in einem Stück aus dem Sandsteinfelsen herausgeschlagen worden und weisen innen eine Raumhöhe von bis zu 4,5 Meter aus. Die ersten drei Tempel sind den hinduistischen Gottheiten Vishnu und Krishna gewidmet, während der vierte Höhlentempel von den Anhängern des Jainismus genutzt wurde. Die Statuen und Reliefs weisen eine äußerst feine Detailwiedergabe aus, aber ihre ehemals vorhandenen Bemalungen sind leider verloren gegangen.
Unterhalb der Höhlen hatte man ein großes Wasserreservoir angelegt, dass zur Versorgung der Bevölkerung und der künstlichen Bewässerung diente. Rund um diesen heute nur noch für die Landwirtschaft genutzten Wasserspeicher wurden mehrere Tempelanlagen angelegt.
Von Badami aus ging es nun weiter zunächst ins 22 Kilometer entfernte Pattadakal wo die Chalukyas einige ihrer schönsten Sakralbauten anlegten. Es war ein am Fluß gelegener heiliger Ort, wo die Chalukyaden-Herrscher aber auch Herrscher benachbarter Reiche gekrönt wurden und große Zeremonien abgehalten und Feste gefeiert wurden. Die gefundenen Aufzeichnungen sprechen von 98 Krönungen über einen Zeitraum von 300 Jahren.
Der Virupakscha-Tempel ist das bedeutendste Heiligtum in Pattadakal und wurde um 720 n. Chr. errichtet. Er ist – wie so viele Tempelanlagen – ein Monument für den Sieg der Chalukyas über ein anderes Volk.
Weiter ging es in ein kleines unscheinbares Dorf namens Aihole (früher Aivalli genannt). Auf den Feldern und auf den Felsen außerhalb des Ortes stehen sagenhafte 120 Tempel. Warum ist dies so?
Nun, hier lag die frühere (erste) Hauptstadt des Volkes der Chalukyas bevor Badami gegründet wurde…
Viele der Tempel entstanden ab dem 5. Jahrhundert und sind recht gut erhalten. Die Tempel stehen in verschiedenen Grüppchen zusammen und man kann an den verschiedenen Gruppen die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Tempelbau-Architektur erkennen. Dieses quasi begehbare Architektur-Geschichtsbuch Indiens wird von allen Architektur-Professoren und -Studenten des Landes genutzt und überall finden weitere Ausgrabungen und Restaurierungen statt.
Kotresh gab mir eine wirklich sehr beeindruckende Darstellung der unterschiedlichen Entwicklungsstufen der indischen Tempel-Architektur und am Ende seiner Ausführungen schwirrte mir nur so der Kopf von all den neuen Informationen. Sowohl in Aihole als auch in Pattadakal kann man sehr gut die Kernelemente der hinduistischen und budhistischen Tempelarchitektur erkennen die man auch in Sri Lanka oder im alten Teil von Angkor Wat findet.
Zum Abschluss des Tages ging es ins 130 Kilometer entfernte Hampi, wo wir nach 2,5 Stunden Fahrt am späten Nachmittag eintrafen. Ein sehr ereignisreicher Tag mit viel Kultur….




























































