Samstag, 25-Jan-2020 – nach Badami


Nach zwei Wochen im ruhigen Ashiyana Yoga-Retreat ging heute nun die geplante Rundreise in den indischen Bundesstaat Karnataka los… Diese Region ist kunsthistorisch von größter Bedeutung für Indien und beinhaltet einige UNESCO-Weltkulturstätten, ist aber vom Massentourismus bisher vorschont geblieben. Sehr bekannt ist die Hauptstadt des Bundesstaates = Bangalore die als IT-Zentrum Indiens gilt.

 

Pünktlich um 08:30h ging es mit dem Fahrer Prasad und einem Toyota Etios Diesel (vergleichbar mit dem Modell Corolla) los. 320 Kilometer und vom Navi vorausgesagte knapp 7 Stunden Fahrtzeit im atemberaubenden oder besser gesagt verrückten indischen Straßenverkehr lagen vor uns… Mal sehen, was da so kommen wird…

Im Vergleich zur letzten großen Indienrundfahrt (Rajasthan im Januar 2014) hat sich einiges in Indien verändert. An die Stelle der vielen Fahrräder sind Millionen von Motorroller und Motorräder sowie eine Fülle von Kleinwagen wie Maruti-Suzuki, Hyundai oder Tata getreten.

Zusammen mit den vielen großen und kleinen Ashok-Leyland Bussen und den Tata– bzw Eicher-LKW, den Bajaj oder Piaggio TukTuks bilden sie eine wirre nahezu ineinander verkeilte Verkehrsmasse die sich wie verrückt hupend über die Straßen drängt. Nicht zu vergessen sind die vielen Fußgänger, freilaufenden Hunde oder gar Kühe die sich auch noch irgendwie durch den Verkehr bewegen.

Die sehr niedrige Durchschnittsreisegeschwindigkeit auf indischen Landstraßen wird sehr stark beeinflusst durch die vielen ‚Road Bumps‘ die – insbesondere in den Ortschaften – alle paar hundert Meter die Verkehrsteilnehmer zu einem abrupten Abbremsen der Reisegeschwindigkeit zwingen um sodann das jeweilige Fahrzeug mit aller Macht (sprich Getöse) wieder auf Tempo zu beschleunigen.

Da in Indien per sé alle Fahrzeuge irgendwie überladen werden und zudem auch wegen Geldmangel notorisch untermotorisiert sind halten insbesondere die älteren Vertreter ihrer jeweiligen Gattung die anderen Verkehrsteilnehmer eindeutig vom schnellen Vorankommen ab. Um dennoch eine halbwegs vernünftige Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen zwingt dies natürlich die PS-mäßig stärkeren Teilnehmer (und unser Toyota Etios gehörte eindeutig dazu) zu manchen wilden Überholmanövern die bei uns eindeutig unter das ‚besonders schwere Verkehrs-Rowdytum‘ fallen würde…

Eine weitere ‚Verkehrsbremse‘ stellt das komplette Fehlen von Ortsumgehungsstraßen dar. Jede Straße (auch die großspurig als ‚Highways‘ ausgeschilderten Fern-Landstraßen) führen mitten durch die Ortskerne der zu passierenden Ortschaften. Insbesondere auf dem Lande werden diese dann auch noch durch Traktoren und von weißen Ochsen gezogenen Karren sowie Ziegenherden bevölkert.

Da es keine Bushaltebuchten gibt bleiben die Busse an der jeweiligen Bushaltestelle einfach auf der Straße stehen und das Aussteigen sowie Gepäck be-/entladen wird oft mit einem Schwätzchen begleitet und nicht schnell vollzogen.

Hinsichtlich der Treibstoffpreise sei für den interessierten Leser folgendes erwähnt:

  • Diesel: 70 Rupien = ca 0,85 € pro Liter
  • Regular Benzin: 77 Rupien = ca. 0,95 € pro Liter.

Nachdem wir ca 50 Kilometer (als ca 1,5 Stunden) unterwegs waren ging es von der Küstenregion Goas aus ‚in die Berge‘ (den sog. Western Ghats) hinauf zum Hochland von Dekkan. Die stark gewundene schmale und nahezu von Bäumen überwucherte Straße schwang sich durch das Mhadei Wildlife Sanctuary den Berg hinauf und bot beeindruckende Aussichten in die vom Urwald überwucherten Täler. Bei diesem Nationalpark handelt es sich um ein ‚Special Tiger Reserve‘ weil hier noch bengalische Tiger leben die extrem stark geschützt sind.

Das Hochland von Dekkan ist ein Hochplateau, dass auf der Höhe von 500 bis 1000 Meter zwischen den beiden Gebirgszügen Eastern Ghats und Western Ghats liegt. Die Hochebene ist sehr fruchtbar und mit Hilfe von künstlicher Bewässerung aus Stauseen werden vielfältige landwirtschaftliche Produkte angebaut. Wir fuhren durch eine auffallend vom Zuckerrohranbau geprägte Region in der gerade Erntezeit herrschte. Daher waren sehr viele Traktoren auf der Straße anzutreffen die riesige Erntemengen zu den Zuckerrohrfabriken fuhren.

Im weiteren Verlauf unserer Fahrt wurden die Straßen immer besser und so konnte teilweise verlorene Zeit durch zügige Fahrt (anstelle zugelassener maximal 80 km/h halt mal 110 km/h) aufgeholt werden. Schlussendlich sind wir nach 6,5 Stunden Fahrtzeit in Badami angekommen. Wohlbehalten!

Prasad war ganz entspannt und locker (zumindest tat er so). Ich für meinen Teil wäre nach so einer Fahrt sicherlich sehr platt gewesen (wobei ich die 6,5 Stunden nie und nimmer geschafft hätte). Für heute ist erst einmal Ruhe angesagt und morgen wird ein lokaler Reiseleiter zu uns stoßen und mich durch die Sehenswürdigkeiten der Umgebung führen.

Nach dem Einchecken im Hotel und einem späten Lunch (oder frühem Dinner) bin ich doch noch etwas durch den Ort Badami geschlendert und habe die indische Lebendigkeit auf mich wirken lassen. Aber nur eine Stunde lang. Dies reichte völlig aus….

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