Die Stadt Hampi ist seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe und wurde im 14. Jahrhundert (1336) unter dem Namen Vijayanagar (‚Stadt des Sieges‘) gegründet. Die Stadt erreichte binnen kurzer Zeit eine herausragende Machtposition und wurde zum Kultur- und Wirtschaftszentrum für ganz Südindien mit mannigfaltigen Handelsverbindungen zu allen großen asiatischen Ländern und Reichen. Über die in Goa siedelnden Portugiesen bestand zudem auch die Verbindung nach Europa. Die Portugiesen waren primär Lieferanten von Zuchtpferden und Abnehmer von Gewürzen.
Möglich war die schnelle Entwicklung von Vijayanagar weil die aus Persien und Afghanistan nach Indien eingefallenen Mogulen sich nach aufreibenden Auseinandersetzungen zurückzogen und ihren Fokus auf Nordindien (Rajasthan etc.) begrenzten. Somit entwickelte sich in Südindien eine ganz andere Architektur und Kultur als im Norden des Landes.
Insgesamt herrschten von Vijayanagar aus 3 Dynastien
- Sangama-Dynastie
- Saluga-Dynastie
- Tuluva-Dynastie.
Bei der Sangama-Dynastie handelt es sich um mehrere Brüder die ehemalige Vasallen der Hoysala-Dynastie (siehe Belur & Halubid) waren sich um 1330 hier niederliessen und ihr Reich aufbauten. Auf dem Höhepunkt der Macht erstreckte sich dieses hinduistische Reich über ganz Indien und teilweise auch ganz Sri Lanka. In Vijayanagar lebten zu dieser Zeit ca eine halbe Million Menschen. Die Stadt erstreckte sich über 26 Quadratkilometer, war komplett mit einer massiven Stadtmauer umgeben und hatte 28 Stadttore. Zur Wasserversorgung war außerhalb der Stadt ein riesiger künstlicher See angelegt worden der die Stadt, die Tempelanlagen und die Paläste über lange Viadukte mit Wasser versorgte.
Im Jahre 1565 wurde das Vijayanagar-Reich von den vereinten Armeen der Mogulen aus dem Norden vernichtend geschlagen. Die Stadt wurde geplündert und in Brand gesetzt. Viele Prachtbauten wurden zerstört und die Bevölkerung flog weiter in den Süden.
Im 19. Jahrhundert kamen die Briten erstmalig nach Hampi und begannen mit der Erfassung, Aufzeichnung und Ausgrabung der archäologischen Stätten. Die heute noch vorhandenen Anlagen sind im Wesentlichen in 2 Komplexen zusammengefasst, einem Nordkomplex (überwiegend Sakralbauten) und einem Südkomplex (überwiegend Paläste). Ausgrabungen haben ergeben, dass die Region aufgrund der markanten Felsformationen bereits seit dem Neolithikum besiedelt ist.
Erst um das Jahr 2000 herum hat die indische Regierung verstärkt den Tourismus in dieser Region gefördert und die auf dem Gelände wohnenden Bauern samt Ortschaften umgesiedelt sowie autobahnähnliche Zufahrtsstrassen nach Karnataka gebaut (z.B. Hampi Expressway). Der Ausbau der touristischen Infrastruktur ist noch in vollem Gange und auch die Restaurierungen in diesem großen Gelände werden sicherlich noch die nächsten 50 Jahre weitergehen.
Punkt 09:00h wurde ich von Prasad sowie Prakash – meinem lokalen Führer – zu einem ambitionierten Besichtigungsprogramm abgeholt. Nord- und Südkomplex zusammen an einem Tag! Unter Prakash Leitung ging es am Nordkomplex los. Wir hatten uns auf den Fußmarsch entlang des Flusses verständigt und den Fahrer bis zum frühen Nachmittag in die Pause gesandt. So kamen dann im Laufe des Tages insgesamt 10,5 Kilometer Fußmarsch bei etwas über 30 Grad, vorbei an vielleicht 100 Tempeln und Palästen zusammen. Zu erwähnen ist, dass wir pro Person ca 4 Liter Wasser konsumierten. Hat aber Spaß gemacht…
Am Ende dieser Tour schwirrte mir der Kopf nur so vor lauter Informationen, Namen und Fakten. Um dies ins rechte Lot zu bringen schenkte Prakash mir einen detaillierten historischen Führer von Hampi den ich sicherlich noch oft zu Rate ziehen werde.
Eine wirklich absolut empfehlenswerte Besichtigung…. es ist schwer vorstellbar, dass all‘ die Pracht in Vijayanagar in nur knapp 230 Jahren geschaffen waren ist! Hinsichtlich der Besichtigung ist es ratsam, die Besichtigung auf insgesamt 3 Tage zu verteilen. Das Gelände wie auch die Anzahl der Sehenswürdigkeiten geben eine derartige Länge schon her…
Hier nun ein Überblick über den Rundgang:
Hinter dem Virupaksha-Tempel liegt der Tungabhadra-River indem die Gläubigen vor dem Besuch des Tempels ein rituelles Bad nehmen.
Hinter dem Virupaksha-Tempel liegt ebenfalls eine mehrere hundert Meter lange ‚Bazaar-Street‚. Rund um diese Strasse kampieren bei großen Festen die Gläubigen und versorgen sich in dem Bazaar mit allem, was man zum täglichen Leben, zur Darbringung der Götter und als Mitbringsel für daheim benötigt. Solch eine Bazaar-Strasse haben einige der großen Tempelanlagen… daraus kann man schließen, was hier für ein Betrieb herrschte bzw herrscht wenn die großen Feierlichkeiten stattfinden…
Weiter ging es entlang des Tungabhadra-River mit seinen bizarren Steinformationen und vorbei an vielen kleinen Tempeln zum Vitthala-Tempel. Insgesamt sollen auf dem gesamten 26 qkm-Gelände knapp 2.000 (!) Tempel und Schreine stehen. Rekordverdächtig?
Der Vitthala-Tempel ist Vishnu geweiht und ein Meisterstück der Tempelbaukunst aus dem Jahre 1554. Die Pfeiler der großen Halle sind als Musikinstrumente vorgesehen und wurden zu Feierlichkeiten genutzt. Heute darf man die Halle nicht mehr betreten da Touristen einige der Pfeiler zerbrochen haben….
Am Ende des Nordkomplexes wartete Prasad auf uns und wir fuhren ein Stück zu einem interessanten Gebäude: das Bad der Königinnen. Der jeweilige Herrscher hatte/durfte 2 Frauen haben und dafür braucht man dann natürlich auch ein großes Bad….
Es ging nun in den Südkomplex, das sog. ‚Königliche Zentrum‚ welches eine Größe von 59.000 Quadratmeter hat. Dort sind die Gebäude angesiedelt die für die Verwaltung des Reiches und zum Regieren und Repräsentieren vorgesehen waren. Da in diesem Bereich auch der König lebte war er nochmals durch eine starke Mauerbefestigung zusätzlich geschützt. Alles beherrschend ist eine hohe, die Ebene überblickende Plattform von wo aus der Herrscher Zeremonien, Empfängen und Festprozessionen zuschaute. Hier soll er auch Gesandte empfangen und Steuern entgegen genommen haben. Die Aussicht von dieser Plattform ist beeindruckend…
Von den beiden hier gefundenen Königspalästen stehen nur noch die Grundmauern da die Paläste von dem Mogulen geplündert und zerstört worden sind. Rekonstruiert hat man einen Teil der Viadukte die den königlichen Bereich mit Wasser versorgten.
Abseits des Königlichen Bereiches und nochmals geschützt durch eine starke Mauer und durch drei Wachtürme liegen die sog ‚Frauengemächer‚ (Zenana). Hier residierten die beiden Königinnen und hier wurden ihre Schmuckstücke aufbewahrt und daher streng bewacht (insbesondere wenn der König im Krieg war). Für jede Königin gab es (natürlich!) einen eigenen Palast (von denen auch nur noch die Grundmauern erhalten sind) und gemeinsam wurde ein Lotos Mahal genanntes Gebäude genutzt. Dieses Gebäude im muslimischen Baustil war von einem kühlenden Wassergraben umgeben und hatte eine eingebaute ‚Klimaanlage‚. Vom Dach aus mußte das Personal kühlendes Wasser durch verdeckte Kanäle und entlang der Wände zur Kühlung laufen lassen. Ganz schön verwöhnt die Damen der damaligen Zeit!
Hinter den Palästen der Königinnen lagen die Elefantenställe und das Haus der Mahuds. Elefanten galten zur damaligen Zeit als heilige Tiere und stellten einen großen Reichtum dar. Daher die herrschaftliche Unterbringung der Tiere und der sie betreuenden Menschen…
Zum Abschluss des Hampi-Besuches ging es zurück zum Nordkomplex (wo unser Rundgang begann). Dort haben wir noch die berühmte aus dem Jahre 1528 stammende und 6,70 Meter hohe Narashima-Statue besichtigt die den Gott Vishnu in Form einer Mann-Löwe-Inkarnation darstellt.





























































































