Heute sollte es bereits um 08:00h losgehen da viele Besichtigungen auf dem Programm standen. Allerdings hatte Prasad verschlafen und wir sind erst um 08:30h losgekommen. Da hätte ich mir wirklich mehr Zeit beim Frühstück nehmen können!
Im Sausewind ging es nach Belur einem kleinen Örtchen, welches unter dem Namen Velapuri die Hauptstadt der sog. Hoysala-Dynastie war. Dort erwartete uns bereits unser Führer Mosou der uns zunächst eine Einführung in Geschichte gab: die Hoysalas waren eigentlich Vasallen der Chalukyas (siehe Badami) die sich losgesagt haben und ab dem 11. Jahrhundert bis zum 14. Jahrhundert hier im Süden Indiens ein eigenes Reich aufgebaut haben.
Im Zuge der Lossagung von den Chalukyas wechselten die Hoysalas auch ihren Glauben vom Jainismus zum Vishnuismus. Dem Gott Vishnu waren viele der extravaganten Tempelbauten gewidmet. Vernichtet wurde das Reich der Hoysalas durch eine aus dem Norden heranrückende vereinte Armee der Mogul-Könige die nach der Eroberung des Reiches fast alle Bauwerke zerstörten. Nur wenig ist aus dieser Zeit übrig geblieben.
Die Tempelbauten der Hoysalas sind gekennzeichnet durch geometrisch genau ausgerechnete sternförmige Plattformen auf den die mit extrem vielen Statuen und Reliefs versehenen, aber nicht sehr hohen Gebäude gesetzt worden sind. Als Baumaterial wurde überwiegend der sehr weiche Speckstein verwendet, der sich von den Handwerkern gut bearbeiten ließ und der am Ende des Bearbeitungsprozess eine schöne dunkel-schwarz schimmernde Oberfläche aufweist. Meisterhaft sind zudem auch die innenliegenden Säulen der Tempel, die alle Unikate darstellen.
Besonders prachtvoll ist der ab dem Jahre 1117 erbaute Chennakeshava-Tempel der 103 Jahre bis zur Vollendung benötigte und der heute noch ein viel besuchtes aktives Vishnu-Heiligtum darstellt. Rund um den Haupttempel sind 18.000 Statuen angebracht, bei denen es sich überwiegend um Unikate handelt. Mittels der Statuen und Reliefs wurden Geschichten aus den ‚heiligen Büchern‘ des Hinduismus erzählt die somit in anschaulicher Weise als Unterrichtsmaterial für Mönche und Schüler genutzt wurden. 1.000 Handwerker sollen diese Menge an Steinmetzarbeiten erstellt haben. Die Vielfalt und Detailgenauigkeit der Figuren sind einfach atemberaubend!
Weiter ging es ins 16 Kilometer entfernte Halebid (früher Halebidu = ‚tote Stadt‘) welches auch eine Zeitlang Hauptstadt der Hoysalas war. Hier steht ein weiterer bemerkenswerter Tempel ‚Hoysaleshvara‘ genannt, dessen Bau im Jahre 1121 begonnen wurde. Er zeigt grundsätzlich die gleichen charakteristischen Merkmale wie der Tempel in Belur, ist aber a) nie komplett fertig gestellt worden und b) sind starke Beschädigungen nach Invasion der Mogulen vorgenommen worden. Besonders hervorzuheben sind die beiden extrem großen Nandi-Figuren, die je aus einem tonnenschweren Monolithen gefertigt worden sind.
Im gleichen Ort steht auch noch ein bedeutender heute noch genutzter Jain-Tempel (Shantinatha Basti) aus dem 12. Jahrhundert. Die Anhänger der Jain-Religion verehren keinen bestimmten Gott sondern ihre im Laufe der Jahrhunderte aufgetretenen 24. Tirthankaras (= ‚Furtbereiter‘ bzw. Propheten – von denen einige sehr wichtig sind). Dieser Tempel ist dem 20. Tirthankara gewidmet. Im Vergleich zu diesem schlicht aufgebauten Jain-Tempel sind die Tempel der Hoysalas wirklich „überladen“.
Nach der Verabschiedung von Mosou ging es weiter ins ca 100 Kilometer entfernt Örtchen Sravana Belgola. Er ist ein heiliger Ort für die Anhänger der Jain-Religion und wichtigstes Pilgerzentrum für die Digambara-Sekte. Auf einem kahlen Hügel steht Indiens größte monolithische Statue, die des Jain-Heiligen Gomateshvara (auch Bahubali genannt).
Hier noch etwas Hintergrund zum Jainismus: Etwas 0,4 % der indischen Bevölkerung (ca. 5 Mio.) bekennen sich zum Jainismus. Er entstand zur gleichen Zeit wie der Buddhismus und teilt mit diesem den Glauben an den Kreislauf der Wiedergeburten (Samsara) und der beseelten Welt, wobei für die Jains nicht nur der Mensch, sondern alle Lebewesen – auch Pflanzen – als beseelt gelten.
Die Jains glauben nicht an einen Schöpfergott, sondern allein an das Gesetzt des Karmas, sprich, dass jede Tat eine Wirkung zur Folge hat (Ursache-Wirkung-Prinzip).
Der Jainismus ist eine Zwilling Religion von Buddhismus. Der Gründer dieses Glaubens heisst Mahavira, welcher in etwa zur Zeit von Buddha gelebt. Diese Zeit im 6. bis 5. Jahrhundert v.Chr. wird auch als ‚Achsenzeit‘ bezeichnet. Es war die Zeit, wo in China Laotse und Konfuzius gelehrt haben, die Zeit, wo im alten Griechenland die Grundlagen der griechischen Philosophie gelegt wurden, es war die Zeit, wo in Indien letzten Religionsbuch Upanishaden, geschrieben wurden, die Zeit von Buddha, die Zeit von Mahavira. Jainismus, begründet höchstwahrscheinlich von Mahavira, auch wenn die Jain-Schriften sagen, dass es vorher schon Tirthankaras – die Heiligen, die Weisen im Jainismus, der das höchste Wissen erreicht hat.
Als Tirthankas (Furtbereiter) werden die geistigen Führer bzw. Propheten der Jains bezeichnet, die als Mittler zwischen der spirituellen und der materiellen Welt fungieren. Das Kalpa-Sutra verzeichnet das Leben von 24 Tirthankaras und ist eine Art ‚Heilige Schrift‘.
Die Jains gliedern sich in zwei Gruppen bzw. Sekten: Die Digambaras („Luftgekleideten“), die vornehmlich in den südlichen Regionen Indiens anzutreffen sind, und den Abbildungen Mahaviras folgend gänzlich auf Kleidung verzichten. Und die eher gemässigten Shvetambaras („Weissgekleideten“), die mehrheitlich in den nördlichen Bundesstaaten Indies leben.
Ahimsa – also Gewaltlosigkeit – stellt das Fundament der Jain Ethik dar. Es heisst: „Man sollte kein Tier, Lebensform oder fühlendes Wesen verletzen, unterwerfen, versklaven, foltern oder töten. Dies ist die Essenz der Religion. Sie sorgt sich um das Wohlergehen aller Tiere, die sichtbaren und die unsichtbaren. Dies ist die Basis aller Stufen des Wissens und die Quelle aller Verhaltensregeln. Gewaltlosigkeit basiert auf Liebe und Güte für alle Lebewesen“.
Über teilweise steile 600 Stufen im kahlen Fels kommt man (ohne Schuhe) hinauf zum Heiligtum und steht nach Umrundung eines Gebäudes unvermittelt vor dieser riesigen knapp 18 Meter hohen Figur aus dem 10. Jahrhundert. Frage: wie erstellt man eine derartig riesige tonnenschwere Granitfigur aus einem Stück und richtet sie auf?
Alle 12 Jahre (das nächste Mal wieder 2030) findet hier ein großes Walfahrtfest statt in dessen Verlauf die Figur mit einem Gerüst umbaut wird und 1.000 (!) Jain-Priester reinigen die Figur in einer genau vorgeschriebenen ‚heiligen‘ Prozedur. Kaum vorzustellen, wie sich dann zig-Tausende Menschen den Berg hinauf- und hinab quälen um dieser Prozedur beiwohnen zu wollen….
Die Aussicht von diesem Hügel ins Umland ist beeindruckend man sieht allenthalben weitere Tempel und Klosteranlagen. Allerdings bei knapp 30 Grad ist der Auf- und Abstieg (zwischen 13h und 14h) kein reines Vergnügen. Ich war wirklich froh als ich wieder unten war… übrigens: den Aufstieg sollte man auf Socken vornehmen (was erlaubt ist) da die Stufen durch die Sonneneinstrahlung sehr heiß werden können.
Auf unserem letzten Teilstück bis nach Mysore haben wir noch kurz auf einer im Flußinsel liegenden Festungsstadt (Srirangapatna) angehalten. Hier hatten im 18. Jahrhundert die Briten den lokalen Tipu-Sultan nach vielen Jahren anhaltender Scharmützel vernichtend geschlagen und auch diesen Teil Indiens erobert. Besichtigt wurde hier nur der Sommerpalast des Tipu-Sultans der als Widerstandskämpfer gegen die Briten sehr verehrt wird.
Am frühen Abend erreichten wir dann Mysore dem letzten Etappenziel. Morgen wird es noch eine Stadtführung in Mysore geben und dann geht es am Nachmittag per Flugzeug nach Goa.






















































