Gestern hatte ich mir über die Rezeption (Nelson) eine Royal Enfield Classic 350 ccm gemietet. Eine ein-zylindrische, in Indien hergestellte Maschine im Classic-Look. Nachdem ich die Maschine (vorschriftsmäßig mit Helm!) gestern erstmals ausgefahren hatte bin ich dann heute zum berühmten Anjuna Beach Fleamarket gefahren.
Insgesamt hatte Google Maps eine Distanz von (nur) 18 Kilometern ausgewiesen, allerdings mit einer geschätzten Fahrtzeit von 40 Minuten. Basierend auf den zusätzlichen Informationen der Rezeption habe ich mich auf den Weg gemacht…
Der Verkehr zwischen den kleinen Ortschaften war ok. Innerhalb der Ortschaften wurde es schon problematischer da hier verkehrstechnisch alles kreuz-und-quer geht, es keine Regeln gibt und auch die Beschilderung wirklich nicht ausreichend ist. Ja, es gibt hin und wieder mal einen Richtungshinweis, aber die Schilder sind erstens sehr klein und versteckt angebracht und manchmal zeigen sie in eine Richtung die eigentlich gar nicht sein kann.
Unterwegs waren auch sehr viele Verkehrspolizisten an den Kreuzungen und Brücken anzutreffen, die sich gezielt die ohne Helm fahrenden Westler aus dem Verkehr herauspickten. Nelson hatte mich auf die Notwendigkeit des Helmes sowie der Mitnahme des gültigen Führerscheines hingewiesen…
Ich habe mich auf jeden Fall entlang der Küste mit einigem Nachfragen bis zum Flohmarkt durchgeschlagen und für die Strecke (von etwas mehr als 18 Kilometern) eine ganze Stunde benötigt.
Der Anjuna Beach Fleamarket wird seit vielen Jahrzehnten immer mittwochs abgehalten und stammt aus den ersten Tagen der Goa-Hippiezeit. Zwischenzeitlich hat sich das Erscheinungsbild sicherlich stark gewandelt denn viele der Verkaufsstände haben sich von einem flexiblen/fliegenden Zustand in eine feste und solide Konstruktion gewandelt. Insbesondere die auch vielfältig vertretenen Getränke- und Essenstände kann man durchaus als Bars und Restaurants bezeichnen…
Auf dem Flohmarkt werden jede Menge Souvenirs und Klamotten angeboten, die man wahrlich nicht braucht. Mich erstaunt immer wieder wie die Verkäufer auf derartigen Märkten mit Inbrunst die Käufer von der absoluten Notwendigkeit eines Kaufes sowie des ‚best-price-Angebotes‘ zu überzeugen versuchen.
Ich habe mich ausgiebig auf dem Fleamarket umgesehen aber keiner der Verkäufer konnte mich zu einem Sensationskauf überreden…
Ein Kauf war für mich auch eigentlich nicht der Anlass gewesen, diesen Fleamarket zu besuchen. Mich interessierten mehr die aus dem vergangenen Jahrhundert hier hängen gebliebenen Hippies, die man sowohl hinter zahlreichen Verkaufsständen wie auch in den Bars und Restaurants ‚bestaunen‘ konnte… und auch das dezent gekleidete Touristen-Publikum das überwiegend aus UK und Russland zu kommen schien (einige wenige andere europäischen Sprachen ausgenommen)…
So bin ich dann wieder mit ‚meiner‘ Enfield zurückgetuckert zum Ashiyana Yoga Resort Village wobei ich mich für die Rückfahrt für eine andere Strecke entschieden habe.
Zwischen den beiden größeren Orten Mapusa und Siolim bin ich an einer Mülldeponie vorbeigekommen, die sich bereits aus großer Entfernung durch ihren Gestank bemerkbar machte. Entlang der Landstraße die an der Deponie vorbeiführte waren rechts und links unvorstellbare Mengen an Plastiktüten mit Müll ‚wild‘ in die Landschaft geworfen worden (um offensichtlich der Deponiegebühren zu entgehen). Und dazwischen eine Vielzahl von Ziegen und Hunden die den Müll plünderten… da gibt es noch viel zu ändern…
Unbehelligt von der Polizei bin ich nach 1,5 Stunden Fahrtzeit wieder am Resort angekommen. Unterwegs hatte ich zweimal den Fall erleben müssen, dass Autofahrer ohne auf den fließenden Verkehr zu achten in die Fahrbahn hineingezogen sind. Nur durch schnelle Ausweichmanöver konnte Schlimmeres verhindert werden.
Ich habe mich daher entschlossen, dass Motorrad vorzeitig zurück zugeben. Eine Entscheidung für die Nelson durchaus Verständnis hatte, wobei er sich allerdings nicht den Hinweis verkneifen konnte, dass in diesem Jahr viel weniger der ‚verrückten russischen Biker‘ anzutreffen seien… ob die Autofahrer auch Russen waren ?
Übrigens zum Thema Russen folgende Informationen: hier in Goa gibt es mehr Hinweise und Schilder in Russisch als in Englisch (deutsch findet man hier so gut wie gar nicht). Russische Touristen benötigen für einen Aufenthalt in Indien bis zu 14 Tagen kein Visum. Nelsons’s Kommentar: „this saves them around €80 for the visa which is a lot of beer money…“ Und genau dass machen die dann mit dem Geld…
In diesem Jahr ist der Tourismus aus Russland jedoch um 50% eingebrochen, da die Russen wieder in die Türkei fahren können (was näher und somit preiswerter ist). Und somit leiden die Goaner unter einer Flaute… und die Türken freuen sich vielleicht, oder doch nicht


















